Hochsensitiv - Hochbegabt - Synästhet ?
Hochsensitiv - Hochbegabt - Synästhet ?

Hier geht´s ans Eingemachte

Das Gehirn ist das wichtigste Organ des Menschen.

 

Von hier aus werden alle Funktionen gesteuert. Zunächst sind die lebenserhaltenden Funktionen wie Atmung und Herzschlag oder auch die Darmbewegungen zu nennen. Diese Dinge geschehen bei jedem Menschen unbewusst und werden vom Gehirn gesteuert. Wir können es bewusst in begrenztem Maße beeinflussen, aber wir können es nicht bewusst an- oder abstellen.

 

Im Gehirn werden auch die Hormonausschüttungen gesteuert. Es gibt Hormone, die direkt im Gehirn produziert werden, aber auch solche, die z. B. in der Nebennierenrinde produziert werden. Dennoch kommt der Impuls, der „Befehl“ dazu aus dem Gehirn. Und im Gehirn gehen sämtliche Reize sowohl aus dem Körperinneren, als auch aus der Umwelt ein. Genau in dem Bereich, den man Thalamus nennt.

 

Alle eingehenden Informationen (auch Reize oder Sensationen genannt) werden auch im Gehirn verarbeitet. Das sind Dinge, die jedem irgendwo klar sind, über die man aber selten bewusst nachdenkt.

 

Im Kontext der Wahrnehmungen ist es wichtig, dass diese Information bewusst bleibt. Und im Kontext der Hochsensitivität sind Wahrnehmungen nun mal das zentrale Thema. Alle Wahrnehmungen beginnen im Gehirn und „enden“ dort. Reaktionen, Verhaltensweisen sind Auswirkungen von Wahrnehmungen. Zwischen der Aufnahme von Reizen und dem Ergebnis der Verarbeitung liegen mehr oder weniger komplizierte Vorgänge.

 

Der Aufbau des Gehirns gleicht dem einer Zwiebel. Es besteht von innen nach außen aus mehreren Schichten. Dieser Aufbau ist evolutionsbedingt und man kann an ihm die (geistige) Entwicklung des Menschen über die Jahrmillionen ablesen.

 

Der Kern, das „Herz“ des Gehirns ist das Stammhirn. Es ist direkt dem Rückenmark angeschlossen. Über das Rückenmark werden Reize aus dem Körper ins Gehirn geleitet. Das Stammhirn steuert die lebenserhaltenden Funktionen wie z. B. Herzschlag, Atmung und Schlaf, aber auch das Schwitzen und lebenswichtige Reflexe wie Schlucken und Husten. Es hat sich in der gesamten Entwicklungszeit des Menschen so gut wie gar nicht verändert und es ist dem der Tiere sehr ähnlich. Denn auch Tiere benötigen diese lebenserhaltenden Funktionen. Mit einfachen Worten: ohne Stammhirn ist (Über)leben nicht möglich.

 

Darüber an der Hinterseite des Stammhirns liegt das Kleinhirn. Hier wird unsere Motorik (Bewegungen und -abläufe) gesteuert. Planung, Koordination, Feinabstimmung und auch das Erlernen von Bewegungsabläufen findet hier statt.

 

Darauf liegend findet man das Zwischenhirn. Hier sind Funktionen wie Riechen, Sehen, Hören, Oberflächen- und Tiefensensibilität und die seelische Empfindung beheimatet.

 

Es besteht im Wesentlichen aus unterschiedlich bezeichneten Thalami, die ich hier der Einfachheit halber unter dem Ausdruck „Thalamus“ zusammenfasse.

 

Dann legt sich das Großhirn mit seinen vielen Windungen darüber. Dieses Bild, das an das Innere einer Walnuss erinnert, ist wohl jedem bekannt. Hier erfolgen weitestgehend die kognitiven (verstandesmäßigen) Prozesse.

 

Zum Verständnis von Hochsensitivität ist jedoch die genauere Kenntnis über die Funktionen des Thalamus und der direkt damit verbundenen Hirnareale bedeutsam. Insgesamt nennt man diese Funktionseinheit des Gehirns das limbische System. Und darum soll es hier in erster Linie gehen, denn hier ist die Ursache für Hochsensitivität begründet und hier finden sich auch die Erklärungen für die Auswirkungen.

 

Das limbische System

 

Dieses System besteht anatomisch aus unterschiedlichen Gehirnteilen, die aber zum größten Teil auch topographisch nahe beieinander liegen.

In den heutigen Neurowissenschaften sind die Zugehörigkeiten der einzelnen Gehirnareale zum limbischen System teilweise noch umstritten. Ich möchte an dieser Stelle auch nicht auf alle Einzelheiten eingehen, sondern deutlich machen, was diese Gehirnteile mit Hochsensitivität zu tun haben.

 

Wichtig für das Verständnis der Natürlichkeit der Hochsensitivität ist die Tatsache, dass die Ursache für dieses Persönlichkeitsmerkmal in den stammesgeschichtlich ältesten Gehirnteilen begründet ist.

 

Vereinfacht kann man ruhigen Gewissens behaupten, dass im Thalamus alle Reize aus dem Inneren des Körpers und aus der Umwelt eingehen. Dort werden sie „gefiltert“. Die nachfolgende Verarbeitung findet in unterschiedlichen Bereichen statt.

 

Die Insellappen z. B., ganz in der Nähe des Thalamus gelegen und funktional mit ihm verbunden, gelten als multisensorisches Areal. Hier werden u. a. folgende Wahrnehmungen verarbeitet:

 

Geschmack, Hunger, Durst, Sättigung, Übelkeit, Völlegefühl, Geruchssinn, Geschmackssinn, Füllungszustand der Harnblase, Atemnot, Empfindungen der inneren Organe, Gleichgewichtsgefühl, emotionale Verarbeitung von Schmerz, Sprechmotorik, Empathie, Gefühl von Fairness, Mutterliebe, Orgasmus, plötzliche Eingebungen (Intuition), Entscheidungsfindung, die eigene aktuelle Befindlichkeit, Schmerzwahrnehmung, Suchtgedächtnis.

 

Insgesamt wird im limbischen System z. B. auch die Ausschüttung von Adrenalin und Dopamin geregelt. Damit hat es einen Einfluss auf Interesse und Desinteresse und somit auf die Motivation und Lernwilligkeit und Verarbeitung von Emotionen und auf das Gedächtnis.

 

Weit verbreitet ist immer noch die Ansicht, dass das limbische System (ausschließlich) für Emotionen zuständig sei. Mittlerweile weiß man jedoch, dass dies nur einen kleinen Teil seiner Funktionen ausmacht und die auch immer nur in Verbindung mit den Reizen, die dort eintreffen.

 

Tatsache ist, dass die Ursache für alles, was im Gehirn passiert oder eben nicht passiert, die Reize (Informationen, Impulse, Sensationen) sind, denen der Thalamus Einlass ins Gehirn gewährt.

 

Im Thalamus gehen wie gesagt alle Reize ein. Ob Sie etwas sehen, hören, berührt werden oder selbst irgendetwas berühren, ob es um ihren Herzschlag geht, den Sie möglicherweise spüren oder um das Hungergefühl. Alle Reize landen zunächst im Thalamus. Der hat die Aufgabe, „unwichtige“ von „wichtigen“ Reizen zu unterscheiden und nur die wichtigen ins Gehirn zu lassen, damit sie uns bewusst werden können.

Die Reize, die der Thalamus ins Gehirn lässt, müssen dort verarbeitet werden. Und hier ist das Wort „müssen“ wirklich richtig am Platz, denn diese Informationen, die ja chemische und/oder elektrische Impulse, Reize sind, lösen sich nicht in Luft auf! Alles, was der Thalamus durch lässt, muss auch verarbeitet werden. Egal wie!

 

Natürlicherweise ist dieser Mechanismus im Gehirn immer gleich gesteuert: Reize kommen ins Gehirn. Sie werden entweder über bereits vorhandene Nervenbahnen und „Knotenpunkte“ geschickt und verarbeitet, oder es werden neue Nervenbahnen und Knotenpunkte gebildet, wenn die eingehenden Reize dem Gehirn noch fremd sind. Der Weg durch den Thalamus ist eine Einbahnstraße: er nimmt nichts zurück. Die „Entfernen-Taste“ gibt es im menschlichen Gehirn nicht. Und das ist auch gut so, denn genau nach diesem Mechanismus lernen wir auch.

 

Für alle neuen Reize, die ins Gehirn gelangen, legen wir neue Nervenbahnen und später auch Knotenpunkte (für die Verknüpfungen) an. Je öfter der selbe Reiz ins Gehirn gelangt, desto dicker und fester werden die Nervenbahnen und die Knotenpunkte. Je mehr unterschiedliche Reize ins Gehirn gelangen, desto mehr unterschiedliche Nervenbahnen und Knotenpunkte werden gebildet. Je mehr Nervenbahnen und Knotenpunkte wir haben, desto mehr (besser, schneller) können wir Verknüpfungen herstellen.

 

Und das alles ist abhängig von der Art und der jeweiligen Menge an Reizen, die unser Gehirn erreichen.

 

Jeder kennt dies vom auswendig lernen: je öfter man sich die Dinge immer wieder vorsagt (wiederholt), desto besser (und länger) kann man sie sich merken.

 

Das ist ein ganz natürlicher und grundlegender Mechanismus unseres Gehirns und das ist das, was man lernen nennt. Wir lernen nicht nur bewusst, sondern auch und vor allem unbewusst. Durch die ständige Wiederholung werden diese Dinge regelrecht ins Gehirn graviert. Auch z. B. Verhaltensweisen oder Reaktionen. Deutlich wird das, wenn wir versuchen, uns eine unliebsame Gewohnheit (Rauchen, Fingernägel kauen) wieder ab zu gewöhnen: es ist wie eingraviert. Das Gehirn ist allerdings auch flexibel und kann diese Gravuren wieder „vergessen“, indem wir sie überschreiben und andere Gravuren über die alten legen. Das allerdings bedarf mindestens so vieler Wiederholungen, wie wir für die alten Gravuren gebraucht haben. Und das dauert seine Zeit…

 

Die Plastizität (Beweglichkeit) des Gehirns ist jedoch von der Unterschiedlichkeit der Reize und der Menge abhängig. Je mehr unterschiedliche Reize möglichst oft ins Gehirn eingehen, desto beweglicher wird es. Insofern verhält sich das Gehirn genauso wie ein Muskel. Der wird auch größer und belastbarer, je öfter er trainiert wird. Nicht umsonst nennt man heute einige geistige Tätigkeiten „Gehirntraining“.

 

Und was hat das alles mit Hochsensitivität zu tun?

 

Nun, um die Entstehung, die Ursache von Hochsensitivität zu verstehen, muss man zunächst die ganz normale Gehirnfunktion verstehen. So, wie sie bei jedem Menschen stattfindet. Auch bei Hochsensitiven. Mit einem kleinen, aber gravierenden Unterschied:

 

Hochsensitive nehmen mehr wahr. Das heißt im Klartext, dass der Thalamus mehr Reize ins Gehirn einlässt, die ja auch verarbeitet werden müssen. Das heißt auch, dass sich das Gehirn schneller und weiter ausbildet. Und zwar von dem Moment an, an dem das Gehirn sich im Embryonen zu entwickeln beginnt. Sicher ist dies zumindest zu einem großen Teil genetisch bedingt, und es ist ein Automatismus. Es sucht sich also niemand aus!

 

Ein Beispiel:

Wenn Sie mit einer Gießkanne mit einem Lochaufsatz Blumen gießen, fließt in einer Zeiteinheit, sagen wir in 10 Sekunden, vielleicht 1 Liter Wasser auf die Pflanze. Das sei angenommen die Menge, die diese Pflanze braucht, um normal zu gedeihen. Wenn Sie die Löcher in dem Aufsatz verdoppeln oder die vorhandenen Löcher doppelt so groß bohren, werden in 10 Sekunden, sagen wir 3 Liter Wasser auf die Pflanze herab regnen.

Wie die jeweiligen Pflanzen auf diesen „Segen“ reagieren, sei hier dahin gestellt. Ich denke, an diesem Beispiel wird klar, was damit gemeint ist, wenn ich sage, dass mehr Reize aufgenommen werden. Stellen Sie sich die Filterfunktion des Thalamus ruhig vor, wie den Aufsatz einer Gießkanne, der bezüglich der Durchlassmenge veränderbar ist, das trifft es schon sehr genau.

Eine Verarbeitung von mehr Reizen (in der selben Zeitspanne) bedeutet für das Gehirn, dass mehr Nervenbahnen gebildet werden (müssen) und auch mehr Knotenpunkte. Und genau das passiert auch. Aber auch hier ist irgendwann das Maß voll, das Gehirn braucht Ruhe und Zeit, um diese notwendigen Arbeiten zu verrichten.

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© Eliane Reichardt