Hochsensitiv - Hochbegabt - Synästhet ?
Hochsensitiv - Hochbegabt - Synästhet ?

Dreieinigkeit

Ich selbst vereine diese drei „Phänomene“ in mir. Diese Tatsache war für mich Anlass genug, intensive Recherchen zu betreiben um heraus zu finden, warum das so ist.

 

Zunächst fällt auf, dass die Auflistungen der Persönlichkeitsmerkmale in allen drei Bereichen im Wesentlichen überein stimmen. Diese Merkmale sind durch Forscher des jeweiligen Gebietes so festgestellt worden.

 

Ich fragte mich, ob der Umkehrschluss nicht auch richtig sein könnte, dass nämlich alle Menschen aus diesen Bereichen alle drei Merkmale in sich vereinen. Aber natürlich kann man nicht immer so einfach einen Umkehrschluss herstellen.

 

Eines war klar: zwar könnte jeder Hochbegabte gleichzeitig hochsensitiv sein, aber nicht jeder Hochsensitive konnte auch gleichzeitig hochbegabt sein. Das ist bei etwa 2% Hochbegabten und 15-20% Hochsensitiven schlicht unmöglich.

 

Und wie passte die Synästhesie in dieses Konzept? Synästheten sollen hochbegabt sein, sagt die Forschung. Doch auch hier passten die Prozentzahlen nicht. Und es sind m. W. auch nicht alle (bekannten) Synästheten auf Hochbegabung getestet worden.

Die einzige, für mich aber überzeugende Übereinstimmung war und blieb diese Liste von Merkmalen.

 

Ich recherchierte weiter, denn dieses Thema, mein Gefühl, dass es da eine logische Verbindung geben muss, ließ mir keine Ruhe. Ich befragte reihenweise Menschen nach ihren Empfindungen. Hochsensitive, Hochbegabte, Synästheten. Und auch solche, die von sich selbst gar nicht wussten, dass sie zu einer dieser Gruppen (oder allen) zählten. Parallel las ich weiterhin alles, was ich über diese Themen finden konnte. Dazu gehörten vor allem psychologische, aber auch weit reichende medizinische Texte, auch aus angrenzenden Gebieten.

 

Im Ergebnis formte sich eine schlüssige Hypothese in meinem Kopf:

Grundlage von allem ist die hohe Sensitivität, was bedeutet, dass diese Menschen zunächst über die bekannten 5 Sinne und darüber hinaus mehr wahrnehmen. Das menschliche Gehirn entwickelt sich aufgrund von Reizen. Je mehr Reize eingehen, desto mehr bildet sich das Gehirn aus. Das ist spätestens seit Frederic Vester auch in der Öffentlichkeit bekannt. Die eingehenden Reize, sowohl aus dem Körperinneren, als auch aus der Umwelt werden im Thalamus „gefiltert“. Wenn dieser Thalamus mehr Reize ins Gehirn lässt, bildet sich dies entsprechend aus und natürlich resultiert daraus eine komplexere Gehirnstruktur und damit eine höhere Intelligenz (oder das, was wir so nennen) und möglicherweise auch eine Synästhesie. Denn in einem stark ausgeprägten Gehirn ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sich schon mal zwei oder mehr Sinne „vermischen“. Ganz sicher ist der Ausgangspunkt für diese „Andersartigkeit“ der Thalamus. Warum er indes bei einigen Menschen mehr Reize ins Gehirn lässt, diese Frage kann ich nicht beantworten und das erscheint mir in diesem Zusammenhang auch nicht so wichtig, obschon interessant.

 

"Dinge wahrzunehmen ist der Keim der Intelligenz" (Laotse)

 

Zur Intelligenz möchte ich noch anmerken, dass HSM davon etwas mehr zugesprochen wird. Wie ich an anderer Stelle erkläre, gehe ich davon aus, dass es sich hierbei um einen IQ ab 115 handelt. Ich ziehe die IQ-Kurve nicht gern für Erklärungen heran, aber in diesem Falle dient es der besseren Verständlichkeit. Ich persönlich halte einen höheren IQ nur für ein Symptom, das auf eine bestimmte Andersartigkeit hinweist.

Ebenso verhält es sich mit der Synästhesie. Mal ganz davon abgesehen, dass dieses Phänomen den meisten Menschen gar nicht bekannt ist, sind manche Synästhesieformen auch derart subtil, dass ein „Betroffener“ es selbst überhaupt nicht als solche wahrnimmt.

 

Letztendlich sind alle drei Phänomene nach meiner Überzeugung eine ganz bestimmte Form einer Andersartigkeit, die sich in erster Linie durch (teilweise unbewusste) intensive Wahrnehmungen, komplexes Denken und eine daraus resultierende, ganz bestimmte Sicht auf die Dinge äußert. Deshalb nenne ich solche Menschen heute mitunter High Potentials, denn sie alle tragen ein großes Potenzial in sich. Ein Begriff aus der Wirtschaft, der m. E. wertfrei ist und der alle Formen und Facetten von Hochsensitivität, Hochbegabung und Synästhesie mit einschließt.

 

Ob meine Hypothese einer wissenschaftlichen Prüfung standhält, wird sich vielleicht zeigen, wenn sich auch die medizinische (neurobiologische) Forschung dieses Themas annimmt. Zu prüfen wäre, ob die Thalami und/oder die Opiodrezeptoren von HSM eine Andersartigkeit aufweisen, die bedingt, dass mehr Reize ins Gehirn gelangen. Daraus resultierende Folgen sind m. E. bereits hinlänglich bekannt. Interessant ist auch die Frage, ob alle HSM eine erhöhte Interozeption (Wahrnehmung von Körperlage und Bewegung im Raum und der Organtätigkeiten) aufweisen. Bezüglich der Kardiosensibilität (Wahrnehmung des eigenen Herzschlages) von HSM gibt es deutliche Hinweise.

 

Bewiesen ist, dass sich das Gehirn analog zu der gebotenen Reizmenge ausbildet. In der Neurobiologie hat man festgestellt, dass intelligentere Gehirne auch ausgeprägter sind (Prof. Dr. Aljoscha Neubauer). Bewiesen ist auch, dass alle Reize im Thalamus gefiltert werden. Aus der Forschung zu halluzinogenen Drogen ist bekannt, dass weniger Filterung im Thalamus andere (extremere) Empfindungen hervorruft. Diese sind den normalen Empfindungen von HSM auffallend ähnlich. Ob es hier an einer Stelle einen qualitativen „Sprung“ gibt, wird zwar in der Hochbegabtenforschung hie und da vermutet, aber bewiesen ist es m. W. nicht. Einzig eine mir bekannte psychologische Studie im Bereich Hochsensitivität aus jüngerer Zeit beweist einen qualitativen Unterschied zu Normalsensitiven.

 

Der Grad der Ausprägung eines menschlichen Gehirns kann mittlerweile mit bildgebenden Verfahren nachgewiesen werden. Ob die Funktionalität des Thalamus ebenfalls dargestellt werden kann, entzieht sich meiner Kenntnis.

 

Ganz aktuell wurde meine Hypothese einem renommierten Hirnforscher angetragen, der sie für durchaus logisch und sehr interessant hält. Vielleicht ist der Weg in die Wissenschaft ja doch nicht mehr weit...

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© Eliane Reichardt