Hochsensitiv - Hochbegabt - Synästhet ?
Hochsensitiv - Hochbegabt - Synästhet ?

Was ist richtig?

Fast jeder Autor, der etwas zu dem Thema schreibt, sieht sich vor die Aufgabe gestellt, die Begrifflichkeiten zu klären. So auch ich.

 

Sicher gibt es viele Begriffe für diese Persönlichkeitsdisposition, im gravierenden "Wettstreit" stehen jedoch Hochsensitivität und Hochsensibilität.

 

Rein sprachlich sind beide Begrifflichkeiten richtig. Geht man von Elaine Aron aus, die diese Menschen "Highly sensitive Person" und das Konstrukt  "sensory processing sensitivity" nennt, kann man auf zweierlei Arten argumentieren:

Die Bedeutung von sensibility und sensitivity ist im englischsprachigen Raum identisch – und durchaus positiv(!). Von daher ist die Übersetzung mit beiden Ausdrücken richtig.

Manche argumentieren auch, sensitivity meint Sensibilität oder ist identisch mit diesem deutschsprachigen Ausdruck. Diese Aussage kann ich trotz vieler Recherchen nicht nachvollziehen, weil in deutschsprachigen Lexika auch nicht wirklich ein Unterschied zu finden ist.

Da nun aber in der ursprünglichen Übersetzung "Person" wörtlich mit Person und nicht sinngemäß mit Mensch übersetzt wurde, hätte man davon ausgehen können, dass auch "sensitive" wörtlich übersetzt wird. Als die Übersetzung des Buches von Elaine Aron erschien, wurde dort wenigstens „Person“ mit Mensch übersetzt, so dass dort die Abkürzung auch HSM und nicht HSP heißt, wenn auch der „Streit“ um das mittlere Wort geht.

 

Wie dem auch sei: man kann sich darüber streiten, man kann es auch lassen. Beide Begrifflichkeiten sind sprachlich richtig und es bleibt einem jeden Einzelnen überlassen, welcher der beiden Begriffe ihm "sympathischer" ist und er anwenden möchte.

 

Ich habe mich für Hochsensitivität entschieden, weil bei aller sprachwissenschaftlicher Gleichheit das Wort Hochsensibilität in der breiten Öffentlichkeit eindeutig negativ belegt ist und ausschließlich auf Emotionen fokussiert. Das wird diesem Persönlichkeitsmerkmal bei weitem nicht gerecht. Meiner Meinung und Erfahrung nach bringt man sich selbst durch die Verwendung dieses Begriffes ständig in Erklärungsnot und hat das dringende Bedürfnis, etwas richtig stellen zu müssen. Diesen Zustand kenne ich mein Leben lang und jetzt, da ich eine Erklärung habe, brauche ich genau das nämlich nicht mehr. Vielleicht ist auch das einer der Gründe, warum viele HSM (insbesondere Männer) sich nicht öffentlich dazu bekennen möchten...

 

Bei der Verwendung des Begriffes Hochsensitivität werden die Menschen eher neugierig und hören aufmerksam(er) zu, was man ihnen erzählt. Dieser Begriff wird von der Öffentlichkeit nicht oder nur wenig benutzt und von daher auch nicht bewertet.

Diesen Unterschied spiegelt auch die Berichterstattung über Hochsensibilität in den Medien wieder, die immer noch regelmäßig Überschriften tragen wie: "Ein Leben ohne Filter" und ähnlich schlimmes, und die den Focus auf "Leiden" legen, was m. E. unweigerlich einen Bezug zu einer Krankheit impliziert.

 

Ich habe aber nie gelitten und ich leide auch heute nicht. Und die meisten HSM, die ich kenne, auch nicht. Wohl nehme ich über meine 5 Sinne mehr war, als andere und habe mich ein Leben lang gewundert, mich vergeblich bemüht, die Menschen in meinem Umfeld zu verstehen. Das ist aber auch das einzige "Leiden", wovon ich sprechen kann. Ich bin viel mehr, als nur Emotionen!

Deshalb nenne ich mich nicht hochsensibel, sondern hochsensitiv.

 

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© Eliane Reichardt