Hochsensitiv - Hochbegabt - Synästhet ?
Hochsensitiv - Hochbegabt - Synästhet ?

Ein neuer Hype?

Nein. Natürlich nicht.

Hochsensitivität hat es schon immer gegeben. Sie hat eine natürliche organische Ursache und ist von der Natur so gewollt, weil sinnvoll. Sonst gäbe es das nicht.

Und an dieser Stelle möchte ich einmal an Goethe erinnern:

 

Die Natur versteht keinen Spaß,

sie ist immer wahr, immer ernst, immer strenge, sie hat immer recht,

und die Fehler und Irrtümer sind immer des Menschen.

 

Ich persönlich bin von der Vermutung der Elaine Aron überzeugt, dass es für das Überleben einer Population wichtig ist, einen bestimmten Anteil an hochsensitiven Mitgliedern zu haben. Und der normale Menschenverstand sollte einem sagen, dass dies bei einem Anteil von 15 bis 20% in jeder Population auch so ist. Das macht Sinn!

 

Die Hochsensitiven sind die Seismographen. Sie wittern frühzeitig Gefahren, so dass die ganze Gruppe sich rechtzeitig in Sicherheit bringen kann - vorausgesetzt, sie vertraut ihren Seismographen. Geht es um Verteidigung und Kampf, stehen die Hochsensitiven in der letzten Reihe und überlassen lieber den furchtlosen, kämpferischen Normalsensitiven das Feld.

 

Offenbar ist es von der Natur nicht vorgesehen, beide Ausprägungen gleichermaßen in einem Lebewesen zu vereinen. (Meiner Meinung nach ist dies neurologisch auch gar nicht möglich.) Und so brauchen sie sich gegenseitig. Zum Überleben.

Jetzt könnte man meinen, dass Hochsensitive heutzutage nicht mehr nützlich seien, weil ja alles, was der Mensch zum Überleben braucht, in für jeden greifbare Nähe gerückt ist. Wasserlöcher und Nahrungsquellen müssen nicht mehr gesucht werden, der Supermarkt ist vor der Haustür. Gefahren? – Dafür gibt’s die Polizei. Oder das Militär. Nur interessiert das alles die Evolution herzlich wenig!

Heute hat sich alles geändert. Wir brauchen keine Seismographen mehr. Wir regeln alles mit dem Verstand. Also können (sollten?) wir alle gleich sein?

Diese Haltung ist ein folgenschwerer Trugschluss!

 

Ein kleine Geschichte:

Stellen Sie sich eine Antilopenherde in der afrikanischen Steppe vor. Etwa 20 Tiere grasen dort oder dösen vor sich hin. Sie fühlen sich sicher. Plötzlich werden drei von den Tieren unruhig. Sie heben den Kopf, stellen die Ohren auf, halten ihre Nase in die Luft. Ansonsten bleiben sie ruhig stehen. Die anderen spüren keine Veränderung, bis auf die Unruhe dieser drei Tiere. Augenblicklich werden sie auch unruhig, stehen auf, machen sich zur Flucht bereit. Nicht etwa, weil sie etwas gerochen, gehört oder gar gesehen haben, sondern weil ihre „Seismographen“ angeschlagen haben. Erfahrungsgemäß werden sich die meisten retten können. Solcherlei Dinge sind tausendfach in der Natur beobachtet worden. Und es sind immer dieselben Tiere, die zuerst aufmerksam werden.

Aus welchem Grund sollte das bei Menschen anders sein?

 

Nun sind wir keine Antilopen, aber aus der Perspektive der Natur auch nur eine Population. Das sollte man trotz allen „Fortschritts“ nicht vergessen!

 

Die Tatsache, dass HS in den letzten Jahrzehnten - zunächst und bis heute falsch gedeutet - immer häufiger und extremer zutage tritt, liegt in der gesellschaftlichen und technischen Entwicklung begründet.

 

Noch nie in der Geschichte waren wir so vielen Reizen ausgesetzt, wie heute. An allen Ecken bimmelt und klingelt es, flimmern Bilder, wird auf uns eingeredet (und -geschrieben). Sogenannte „Freizeitangebote“ werden uns mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln nahezu aufgedrängt. Unsere Briefkästen sind mit grellfarbenen Werbebotschaften überfüllt, -zig Fernsehsender und auch das Internet tun ihr übriges. Alles wird immer schneller immer lauter, immer bunter, greller und vor allem mehr. Wer da nicht mithält, ist bestenfalls nicht „up-to-date“, schlimmstenfalls eine Spaßbremse oder gar ein Sozialphobiker.

 

Psychische „Krankheiten“ nehmen in den letzten 20 Jahren rasant zu.

Mittlerweile wird dies bereits Vorschulkindern attestiert. Psychologische Praxen sind voll wie noch nie und haben Wartezeiten von bis zu einem Jahr! Von der ungesunden und großenteils künstlichen Nahrung und einem ungesunden Lebenswandel fast aller Menschen will ich gar nicht erst anfangen…

 

Offenbar galoppiert die Menschheit mit Vollgas in eine völlig falsche Richtung!

Wo sind die Seismographen? Warum warnen sie uns nicht?

Nun, ich denke sie tun es!

Nur wird es nicht gesehen, nachdem es lange schon nicht gehört wurde.

Hochsensitive reagieren empfindlich auf Lautstärke. Also schreien sie nicht. Mit ihrer ruhigen, leisen Art werden sie aber bei dem heutigen allgegenwärtigen Lärm nicht gehört.

 

Zudem stehen sie naturgemäß nicht gern in der ersten Reihe, deswegen brauchen sie auch im Normalfall ihre Ellbogen nicht einzusetzen und tun es auch jetzt nicht. Mal ganz davon ab, dass sie von Kampf und Wettbewerb i. d. R. nichts halten. Alles Eigenschaften, die in der heutigen Welt völlig untergehen.

 

HSM spüren, dass sie so gar nicht mehr in diese Welt zu passen scheinen und sie ihre von der Natur gegebene Aufgabe nicht erfüllen (können). Viele HSM haben das unbestimmte Gefühl in sich, irgendeine konkrete Aufgabe zu haben, wissen aber nicht welche. Sie sehen sich selbst in einer Art Warteposition: „Das kann doch nicht alles gewesen sein, da muss doch noch etwas kommen, wenn ich nur wüsste, was meine Aufgabe hier ist, ich habe das Gefühl, dass ich für irgendetwas bestimmtes hier bin…“

 

Dieses Grundgefühl - und natürlich das diffuse Gefühl des Andersseins - ist einer der Gründe, aus denen HSM immer häufiger psychologische Hilfe suchen. Ich persönlich kenne nur wenige HSM, die nicht schon mindestens einmal in einer Therapie waren. Und ich kenne viele.

Es ist unglaublich, von welchen „Diagnosen“ ich da höre! Das fängt bei Narzissmus an und hört bei bipolarer Störung noch lange nicht auf!

Manche werden aber auch gar nicht „diagnostiziert“, mit dem Ergebnis, dass sie mitunter jahrelang (gemeinsam mit ihrem Psychologen) daran herumrätseln, was denn nun mit ihnen nicht stimmt. Ein unhaltbarer Zustand!

 

Elaine Aron geht davon aus, dass die gesamte Patientenschaft in psychologischen Praxen zu 50% aus HSM besteht. Ich persönlich schätze diesen Anteil wesentlich höher.

 

Einige glauben aus den unterschiedlichsten Gründen aber auch, dass sie „das alles“ aushalten müssten. Und werden prompt krank. Das sind dann die unzähligen Menschen mit den psychosomatischen Erkrankungen und ich möchte behaupten, fast alle, wenn nicht alle mit Burnout.

 

DAS sind die Seismographen unserer modernen Gesellschaft! Und es ist dringend an der Zeit, dass dieser gesellschaftliche Zustand richtig gedeutet wird!

 

Nun bin ich weder ein „Öko“, noch besonders esoterisch oder religiös. Und natürlich möchte ich mich auch nicht morgen in der afrikanischen Steppe oder gar nur mit einem Fell bekleidet in einer französischen Höhle wiederfinden.

 

Doch bin ich der Meinung, dass ein Paradigmenwechsel auf ganzer Linie

 

dringend nötig – und auch möglich

 

ist. Wir müssen es nur tun…

 

Anmerkung:

Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass alle kranken Menschen HSM sind, oder gar alle HSM krank sind. Das wäre eine völlige Fehlinterpretation meines Textes!

Die meisten HSM sind kerngesund, sowohl psychisch als auch physisch. Auch die meisten von denen, die sich für eine Therapie entschieden haben. Aber sie fühlen sich nicht wirklich „passend“, was die stetig wachsende Mitgliederanzahl von virtuellen und realen HSM-Gruppen bestätigt.

 

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© Eliane Reichardt